
Der Morgen ist dunkel. Die Kinder wollen nicht aufstehen. Ich ermutige, rede gut zu und irgendwann wird meine Stimme strenger und lauter. Es ist als wöllte ich die Kinder aus einer warmen Höhle herauslocken in die kalte, neblige Novemberluft. Ich selbst bin müde und versuche wach zu werden.
Ich koche mir eine Tasse Kaffee und weiß die Zeit ist mal wieder knapp alles unter einen Hut zu bekommen. Die Kinder, die Familie, meine Arbeit. Alles drei liebe ich doll und gleichermaßen bringt es mich mehr als oft an meine Grenzen und manchmal auch darüber hinaus. Ich scheuche diese kleine Horde Wusselmenschen beladen mit Turnbeuteln und Schulranzen aus dem Haus. Drücke jedem noch einen Kuss auf die Wange und atme tief durch.
Das Leben tobt, sage ich oft, wenn meine Freunde mich fragen, wie es denn gerade ist. Wie ein bunter, tanzender Blätterhaufen.


Manchmal kann ich barmherzig auf all das sehen, was nur halbfertig wurde. Auch auf mich und die Menschen mit denen ich Leben teile.
Manchmal wird mein Blick auf mich und andere genauso streng, wie der mit meinen Kindern heute morgen, als es einfach nicht weiter ging. Und dann weiß ich, ich brauche Zeit und Raum. Stille, die im Leben einer Vierfachmama so gut wie nie vorhanden ist. Letztlich brauche ich es gesehen zu werden. Von Gott und Menschen. In dem was ist und was nicht ist. In allem Schönem und im Schweren.
Das Jahr läuft leise tickend auf sein Ende zu. Ich stolpere über Notizen, die ich Anfang des Jahres gemacht habe. BARMHERZIG SEIN – mit DEM WAS IST UND WAS NICHT ist habe ich mit großen Buchstaben auf einen Zettel geschrieben.
Ich schmunzle müde ein bisschen in mich hinein, denn das werde ich wahrscheinlich genau so wieder aufschreiben, mir selbst zuschreiben. An Gutes muss ich immer wieder erinnert werden. Vielleicht kennst du das. Barmherzig sein… fällt mir manchmal schwer. Gerade mit mir selbst und meinen Schwächen.
So gerne werde ich fertig mit angefangenen Projekten. So gerne lebe ich in geklärten, verbundenen Beziehungen. So gerne will ich eine Mama sein, die einen gnädigen Blick auf sich selbst und meine Kinder hat.
Ich bin es nicht…. Immer. Ich stoße an meine Grenzen. Ja, dieses Jahr hat ganz viel Kraft gekostet. Und es fühlt sich gerade so an als hätte ich ein bisschen zu wenig davon.
Eine leise Stimme erinnert mich: Kuck doch mal was geworden ist… Schau doch mal hin, was ihr als Familie alles bewältigt habt. Und kuck doch mal, dass das eine oder andere, dass du dir vorgenommen hast auch wurde.
Ja… das stimmt. Mein Blick bleibt doch so gerne und oft an dem nicht geschafften hängen. An dem, was nicht gelungen ist.
Und es ist mir so wichtig einen Umgang zu finden mit dem, was sich da angesammelt hat. Die Feiertage der Herbstzeit laden mich dazu ein. Zum Beispiel der Buß- und Bettag – er klingt so alt und verstaubt und beherbergt doch einen Schatz in sich.
Ich darf kommen mit dem, was sich angeleppert (angehäuft 😊)hat. Und Gott wird immer deinen und meinen Namen nennen und sagen: „Schön, dass du da bist. Komm wir sehen gemeinsam hin. Wir feiern was wurde. Und wir sind gemeinsam traurig, über die Bruchstücke, die es in jedem Leben gibt.“


Ich darf ausleeren, was mich belastet.
Ich darf benennen, was nicht gut wurde.
Ich darf die sein, die ENTLASTET wird von Gott selbst.
Und so schreibe ich in mein Buch mit den leeren Seiten das, was mich bewegt. Die Lasten dieses Jahres. Das, was sich nicht gut anfühlt. Das, was schwer ist und immer einen Platz hat und angesehen sein darf. Meine Sorgen und Nöte. Das Schrei
Und ich weiß – Er wird mich nicht belehren. Er wird mir keine Tipps geben, wie ich es denn besser machen kann oder soll.
Er wird nicht den Zeigefinger heben.
Er wird hören.
Mit traurig sein.
Er wird fragen und er wird mich halten – mit all dem, was unfertig ist.
Mit dem Schmerz des Lebens der manchmal drückt.
Mit den Fehlern, die ich machte und mit dem, was ich gerne anders hätte.
Ich weiß dieser Tag BUß und Bettag ist ein Tag mitten im Alltag – und ich glaube genau da gehört er auch hin. Ins echte Leben. Da wo die Mülleimer überquellen und die Wäschekörbe niemals leer werden. Da wo wir lieben und streiten. Da wo wir Fülle und Mangel erleben. Genau da dürfen wir Belastungen des Lebens loswerden. Abgeben. Durchatmen und befreiter weiter gehen – ohne den Anspruch zu haben, dass danach alles gut ist.
Ich lade dich ein, ein bisschen in dein Leben zu schauen.
* Was fühlt sich im Moment unfertig an?
* Was belastet mich?
* Woran leide ich an mir selbst und an anderen?
* Was fühlt sich schwer an?



Gebet
Gott, ich bringe dir meine unfertigen Lebensschnipsel. Ich bringe dir, die angefangenen Dinge für die mir die Kraft auf dem ausgegangen ist.
Ich bringe dir das, was mich belastet und beschwert.
Bei dir darf es sein. Bei dir darf ich sein.
Zeige mir, wie dein liebevoller Blick auf mich sich anfühlt.
Lass mich erleben, dass Lasten kleiner werden.
Lehre mich den barmherzigen Blick auf mich und andere.
Heute lasse ich los.
Leere mein Herz bei dir aus.
Du bist da – in allem.
Danke, Amen
Und dann lade ich dich ein den Blick auf das zu richten, was geworden ist. Worüber du dich freust. Was besser geklappt hat als gedacht. Vielleicht musst du dafür etwas länger nachdenken. Das ist vollkommen in Ordnung. Aber auch da wird etwas zu finden sein.
Es können ganz kleine Dinge sein.
* Was ist mir gelungen?
* Was habe ich geschafft?
* Was durfte ich erleben?
Und vielleicht werden wir auch kleine Sammler von schönen Momenten, von Bildern, die der Herbst uns schenkt von dem GUTEN in unserem Leben. Es können ganz kleine einfache Dinge sein.
Die Terasse mit Heide bepflanzen.
Meine Lieblingssuppe kochen.
Ein Herbstspaziergang mit den Kindern.
Apfel Crumble und ein schön gedeckter Tisch.
Eine Runde Mittagspause auf dem Sofa.
Welche Momente sammelst du?





Ach ja, denke ich. Der November ist irgendwie ein AufräumMonat. Im innen und im Außen. Wir machen Platz, für das was wartet. LICHT, HOFFNUNG und NEUES.
Ja, da wartet schon der Advent und mit ihm Ermutigung und Leuchten. Jedes Jahr aufs neue sehne ich mich nach Licht und Hoffnung. Nach Gott selbst in diesem trubeligen Leben.
Ich zeige dir hier noch einmal einen möglichen Adventsbegleiter, in den wir (Ira Schneider und ich) ganz viel HERZERWÄRMDENDES geschrieben haben. Kleine Auszeiten schenken. Wir laden ein Pause zu machen. Nachzudenken. Kleine Gebete mitzusprechen und Kreativ zu werden. Hast du Lust dabei zu sein?

Du kannst den Adventskalender bestellen. Bei mir und überall, wo es Bücher gibt. Gerne verschicke ich ihn auch an deine Freundin oder andere Wunschadressen.
Ich würde mich sehr freuen wenn wir ein Stück gemeinsam durch den Advent gehen.
Ich wünsche dir gute Herbstmomente, in denen du dankbar zurück und nach vorne sehen darfst. In denen du Schätze findest und es warm hast – im innen und im Außen.
Danke, dass du mitliest und hier dabei bist. Wenn du magst empfehle diesen Blog gerne weiter an Menschen, die auf der Suche nach Inspiration im Leben und Glauben sind. Ich danke dir!
Herzlich, Doro

