Was im Staub der Hitze wächst…?

Ach, wie habe ich es vermisst, dass Blog schreiben.

Fast ein Jahr ist es hier still gewesen. Ich habe viel geschrieben, für mein neues Buch, kleine Texte auf Instagram, für verschiedene Zeitschriften. Das Schreiben ist mir eine treue Begleiterin geworden, eine Freundin, die hinhört und manches auf den Punkt bringt. Das Schreiben hilft mir Gedanken zu ordnen, innerliche Wege zu gehen, die dann auch Auswirkungen auf mein konkretes Leben haben. Ich liebe es im Austausch zu sein über geschriebenes mit Menschen wie dir.

Und immer wieder dachte ich an meinen Blog, der mir viel bedeutet. Geschrieben in einer kleinen Nische im großen weiten Web. Platz für Gedanken und Gebete. Platz für das, was Herz und Seele bewegt. Nicht schnelllebig. Nicht top aktuell. Aber ein Ort an dem die Worte Platz haben und sich nicht begrenzen lassen.

Es braucht ein bisschen Zeit. Also setz dich doch gern zu mir auf eine Tasse Tee oder Eiskaffee. Ich lade dich dazu ein.

Mein Sommerherz war und ist voll.

Die Hitze

…hat viel Kraft gekostet und hat mich beschäftigt, wie nie zuvor in meinem Leben. Das Gefühl, dass wir Menschen unsere eigene Erde selbst über Jahrhunderte zerstören hat mich bewegt. Die Unerträglichkeit des heißen Sommers hat ihr hässliches Gesicht gezeigt. Meine Pflanzen im Garten, die für Hitze gemacht sind, sind fast alle vertrocknet. Alles lechzt nach Wasser und Kühle. Die Temperaturen in unserem Haus sind auch nachts nicht mehr nach unten geklettert. Kein Abkühlen mehr. Und das sind noch wirklich privilegierte Probleme denke ich an Pflegeheime ohne Klimatisierung, Menschen, die in der prallen Hitze arbeiten müssen … und … und … und….

Ich habe gedacht an die Zukunft meiner Kinder und deren Kinder … und wie sie wohl mal leben in dieser Lebenswirklichkeit Klimawandel, der bis heute noch verleugnet wird von Menschen die sich auch Temperaturen um 40 Grad noch schönreden können. Ich konnte es nicht.

Das politische Klima

in unserem Land hat mich bewegt. Was gerade geschieht und immer mehr salonfähig wird. Erst still und leise und plötzlich laut. In meiner Sommerpodcastfolge habe ich mit Christoph Müller über die Frage gesprochen, wie politisch Glaube eigentlich sein darf und wie es sein kann, dass Christen einer Partei hinterherlaufen, die sich deutlich Rechtsextremistisch positioniert. Ich empfehle dir diese Folge sehr sehr. Hör gerne mal rein und bilde dir deine eigene Meinung. Mir hat es sehr geholfen mich nochmal tiefer mit dem Thema zu beschäftigen. Ich glaube die Zeiten sind vorbei, in denen wir schweigen und hoffen, dass alles gut wird. Wir müssen und dürfen eigene Standpunkte suchen und einnehmen. Und Ja ich sage laut: Christsein und AFD wählen geht nicht zusammen. Lasst euch nicht ködern mit konservativen Werten, die diese Partei sich auf die Fahnen schreibt um Menschen zu gewinnen. Lasst euch nicht vereinnahmen von Schwarzmalerei und Angst. Seht und hört genau hin.

Wir, als Familie

Auch als Familie haben wir eine herausfordernde Zeit bewältigt mit vielen Umbrüchen und Veränderungen. Neuanfängen und Lebensabschnitten. Mein Mama Herz hat so viel mitgefühlt, manchmal mitgeweint, mit gehofft und mitgefiebert. Das Leben als Familie gleicht manchmal einem Marathon, der zu beschreiten ist. Manchmal sind wir es die laufen. Manchmal feuern wir unsere Kinder an nicht aufzugeben. Wieder aufzustehen, wenn sie gefallen sind. Das Ziel vor Augen nicht zu verlieren. Sie in Empfang zu nehmen, egal, wie die Dinge gelaufen sind.

Und dann müssen wir diese Etappen auch verarbeiten, wofür wenig Zeit bleibt im Trubel des Lebens.

Ich halte inne am letzten Grundschultag meiner großen. Präge mir ihr Gesicht ein… stimme mit ein in die große Vorfreude auf das neue. Ich umarme meine Kinder am Ende dieses Jahres. Wir beenden wieder eine Kindergartenetappe und begleiten ein anderes Kind weiter in der Schule.

Alle haben gegeben, was sie haben.

Alle sind gewachsen in ihrem Tempo.

Alle haben Schönes und Schweres erlebt.

Und so stehen wir im Sommer Etappenziel und atmen alle einmal durch…

… dabei darf alles rauskommen, was da ist. Freude und Dankbarkeit. Erschöpfung und Entmutigung.

Erleichterung und Belastung.

Und so oft denke ich, wie krass es doch ist so oft beides zu fühlen und zu durchleben und dazu noch das ganze DAZWISCHEN.

Wir nehmen uns Zeit die kleinen und großen Siege zu feiern. Das Leben zu feiern. Die Etappe zu feiern. Und immer wieder spüre ich, wie wichtig und kostbar das ist. Sacken lassen. Traurig sein. Froh sein. Da sein und nicht einfach sang und klanglos in die nächste Etappe weitergehen.

Ich schenke dir ein Gebet. Vielleicht betest du es mit oder findest deine ganz eigenen Sommergebetsworte.

Etappengebet

Gott, hier stehen wir.

Der Sommer hat uns müde gemacht. Die Hitze hat belastet.

So viel haben wir gestemmt und geschafft.

Danke, für alles, was gelungen ist.

Danke, für Wachsen und Lernen.

Danke, für jeden Zentimeter, den unsere Kinder gewachsen sind.

Danke, dass wir zusammen durch diese Etappe gehen konnten.

Danke, dass du da warst und bist – in jedem Augenblick.

Wir bringen dir alles, was uns beschwert.

Das, was nicht gelungen ist. Unser Scheitern.

Wir bringen dir das, was uns sorgt… in unserer Familie und in diesem Land.

Schenke uns Sommerleichte Momente.

Lass uns kühles Nass dankbar genießen.

Hilf uns im Hier und Jetzt zu sein.

Schönes wahrnehmen.

Dankbarkeit erleben und spüren.

Im leisen Sommerwind. Im Sprung ins kalte Wasser.

In guten Gesprächen in der Familie.

In einem gemeinsamen Essen.

Du bist in allem.

In der Hitze und in der Erschöpfung.

In der Freude und in der Dankbarkeit

DANKE dafür.

Farben sammeln für das JETZT

Ich habe oft darüber geschrieben, dass ich im Sommer so eine Farbensammlerin bin. Und oft hatte ich das Gefühl ich sammle für den Winter. Für kalte Tage, die Wärme brauchen.

In diesem Jahr habe ich für das Hier und Jetzt gesammelt. Brauchte die Ermutigung JETZT.

Wir durften als Familie einige Zeit in Schweden sein. Es ist unser Herzensland. Es entschleunigt uns alle so sehr da zu sein.

In diesem Jahr habe ich kaum gelesen. Ich war einfach da.

Habe gestaunt über die vielen verschiedenen Blautöne des Meeres.

Habe den Duft von Kaffee und Kardamonbullar genossen.

Wir waren viel in der Natur und draußen.

Die Schöpfung Gottes hat für mich etwas heilsames, ja therapeutisches.

Ich habe entdeckt, dass es in Schweden im Staub des Bodens wunderschöne Pflanzen gibt. Sie haben gerade da gewurzelt wo es trocken ist und kaum Wasser gibt. „Ihr Trockenschönheiten“ dachte ich – trotzt der Hitze mit Schönheit. Erfunden vom Schöpfer dieser Welt.

Ich saß auf den Felsen am Meer und habe dem rauschen zugehört und dem Wind. Habe mein Gesicht in die Sonne gehalten.

Mein Urlaubskorb ist voll. Voller schöner Bilder. Voller Herzensbegegnungen mit Familie und Freunden. Voller Schönheit, die dieses Land in Überfluss hat. Ich kann mich nicht satt daran sehen.

Wenn mein Herz schwer und betrübt und mein Blick auf all dem Elend dieser Zeit ist frage ich mich manchmal, was uns eigentlich durchbringt. Hoffen und Glauben lässt. Wie wir durch diese Zeit kommen.

Ich suche die Antwort immer neu. Fühle und spüre, dass ich von Gott immer wieder gefunden werde. In Schönheit, im Meeresrauschen, in der Umarmung eines Freundes, in Worten, die tiefe Hoffnung ausdrücken und die Oberfläche verlassen.

Und dann spüre ich, dass neues Vertrauen wächst. Das dieser Weg noch nicht zu Ende gegangen ist. Das wir gerade jetzt leben und lieben dürfen. Neue Wege finden und einstehen, für das was uns wichtig ist.

Und wann immer unser Herz schwer und müde wird brauchen wir Zeit. Zeit um hinzusehen. Zeit um wahrzunehmen, wo der Schuh uns eigentlich drückt.

Ich habe das Gefühl der Sommer ist so eine Zeit. Er nimmt uns aus dem Alltag. Er legt schönes und schmerzliches frei. Ich weiß, dass kostet Kraft und Mut. Aber schau hin… erlaube dir zu spüren und zu sehen, wie es dir geht. Vielleicht magst du es aufschreiben. Mit Gott im Gespräch sein. Dir Worte leihen oder eigene suchen.

Es ist eine Art Großreinemachen der Seele. Ein Hinsehen, Hin spüren und Zulassen. Und keine Angst, wenn Tränen fließen, wenn rauskommt, was lange keinen Platz hatte. Jetzt, hat es Platz. In der staubigen Hitze des Sommers. Im Bedrückten sorgen und nachdenken. In der Leere und in der Erschöpfung.

Ich spüre es immer wieder.

Da ist Gott.

Genau da sitzt er mit uns.

Und er wischt nicht schnell alles weg und sagt: Dann mal los.

Ich glaube er sagt: Bleib solange du willst. Lass alles raus. Ruh dich aus.

Auf dem Küstenweg redet er

An einem Nachmittag ging ich entlang an der felsigen Küste Schwedens. Ich staune über die Wucht des Meeres über das rauschen des Windes. Über knorrige Birken, die dem Wind und den Wellen trotzen. Und ich spüre den Schöpfer dahinter. Spüre, wie er mir zuflüstert

„Ich weiß, der Wind ist rau. Ich weiß, da ist viel, was dich bewegt…

Ich bin auch im Wind. Ich bin auch in den Wellen. Ich werde nicht von deiner Seite weichen.

Komm, wir gehen gemeinsam weiter…“

Und ich entdecke Blumen, die im Staub wurzeln. Schönheit im kargen. Trost im Rauschen des Meeres. Denn da steckt er dahinter. Der Schöpfer, der jedes Staubkorn kennt und der diese Welt und seine Menschen niemals verlassen wird – und wenn wir noch so fehlgeleitet leben und entscheiden.

Und immer wieder denke ich.

Das ist so wenig. Das ist so leise.

Und gleichzeitig ist es das größte, was ich gerade wahrnehme. Den Gott in allen Dingen. Den Gott der durch Steine spricht. Den Gott, der nicht geht – auch wenn seine Menschen die Erde kaputt machen.

Den Gott den jedes kleine und große Drama unseres Lebens interessiert und der sich mit uns freut über alles, was gelingt, was bewegt und was uns weiterbringt.

Und letztlich ist er der große Wind, der Leben bewegt. Hoffnung wachsen lässt und uns ermutigt dieses Leben verbunden zu leben. Verbunden mit uns selbst, verbunden mit Menschen und verbunden mit ihm, unserem Schöpfer.

Ich wünsche dir so sehr für deinen Sommer, dass rauskommen darf was da ist.

Das du dir Zeit nimmst hinzuschauen. Dich zu freuen. Zu trauern. Müde zu sein. Das du spürst das du sein darfst.

Und ich wünsche dir Ermutigung für dein inneres und äußeres Leben. Das du Schätze finden darfst die nicht abhängig von Urlaubsländern sind.

Ich wünsche dir Vertrauen. Das du spürst wie gehalten du bist und geliebt. Das es einen Weg geben wird, den du gehen kannst – auch wenn es jetzt gerade schwer ist.

Ich wünsche dir Sommerleichte Momente.

Erzähl doch mal was deinen Sommer ausmacht.

Herzliche Grüße

Eure

Dorothea

Ps. Am 24 August erscheint mein neues Buch

„Und es war Nacht – Worte die trösten, wenn das Leben schwer ist“

Das Schreiben dieses Buches hat mich tief bewegt. Ich habe hingesehen, der Nacht einen Platz gegeben, mit Menschen gesprochen, die leiden. Habe eigene Dunkelzeiten angesehen und mich gefragt, wie der Glaube an Gott Trost und Hilfe sein kann, ohne dabei erschlagen zu werden von Floskeln und scheinbaren Richtigkeiten.

Mein Wunsch ist, dass dieses Buch tröstet. Eine Umarmung ist für Menschen die leiden. Mein Wunsch ist, dass Menschen sich verstanden fühlen und wundersam durchgetragen.

Ich freue mich so sehr darauf. Du kannst es hier bei mir bestellen oder überall, wo es Bücher gibt. Gerne schreibe ich auch eine Widmung in das Buch oder schicke es deinen Freunden oä.

Melde dich gerne.

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